Wissenschaftspreis:
Gesellschaft braucht Wissenschaft
Hervorragende Forschungsleistungen, die sich durch ihre gesellschaftliche
Relevanz und gute Umsetzbarkeit auszeichnen, zeichnet der Stifterverband
gemeinsam mit der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz
(WGL) alle zwei Jahre aus.
Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Preiswürdig sind Forschungsarbeiten,
deren Ergebnisse die Grundlagen für praktische Umsetzungen in Wirtschaft,
Politik, Gesellschaft oder Forschung bilden. Neben der wissenschaftlichen
Qualität der Arbeit ist die anschließende zumindest teilweise Anwendung der
Ergebnisse gleichwertiges Auswahlkriterium.
Preisträger 2010:
Prof. Dr. Eckhard Klieme,
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)
Bildungsforschung auf höchstem Niveau
Mit dieser Auszeichnung werden die Beiträge des 56-jährigen Bildungsforschers gewürdigt, der das deutsche Bildungssystem mit einer Vielzahl vor allem empirisch angelegter Forschungsarbeiten wie kaum ein Zweiter beeinflusste.
Ganztagsschule, Curriculumreform, PISA –
an all diesen und zahlreichen weiteren zen-
tralen bildungspolitischen und bildungsprakti-
schen Projekten der jüngeren Vergangenheit
war Eckhard Klieme maßgeblich beteiligt.
Dabei verknüpft der Leibniz-Wissenschaftler,
wie es in der Begründung der Jury heißt,
Theorie und Praxis "in geradezu exemplari-
scher Weise", seine Arbeiten "reflektieren
höchste wissenschaftliche Standards" und
"haben die Praxis des deutschen Bildungswe-
sens in den vergangenen Jahren beeinflusst
wie die kaum eines anderen Wissenschaftlers".
An der PISA-Studie der OECD wirkte Klieme seit dem ersten Projektzyklus im
Jahr 2000 in verschiedenen Rollen auf nationaler und internationaler Ebene
mit, unter anderem als Sprecher des nationalen Konsortiums für PISA 2009.
Unter der Leitung Kliemes ist das DIPF zudem in den internationalen Konsortien
für PISA 2009 und 2012 vertreten sowie an weiteren Studien der OECD be-
teiligt. Derzeit leitet Klieme im Auftrag der OECD die internationale Experten-
gruppe, die für die Fragebogenentwicklung bei PISA zuständig ist.
Eckhard Klieme ist außerdem seit 2005 in leitender Funktion an der "Studie zur
Entwicklung von Ganztagsschulen" beteiligt, dem zentralen, länderübergreifen-
den Forschungsprogramm Deutschlands zur Entwicklung von Ganztagsschulen
und -angeboten. Als Sprecher des Konsortiums der DESI-Studie (Deutsch
Englisch Schülerleistungen International) arbeitete Eckhard Klieme an der Er-
fassung sprachlicher Kompetenzen sowie an der Erforschung von Qualitäts-
merkmalen des Deutsch- und Englischunterrichts.
Eine Umsetzung der Arbeiten des Preisträgers hat in der Praxis des deutschen
Bildungssystems in mehreren Bereichen stattgefunden. Zentral sind hier die
konzeptionellen Grundlagen für die Entwicklung und Implementierung von Bil-
dungsstandards für die schulische Bildung. Die von Eckhard Klieme formulierten
Bildungsstandards bilden die Grundlage für die durch die Kultusministerkonferenz
eingeführte Output-Orientierung im deutschen Schulsystem.
Kurzvita
Eckhard Klieme, Jahrgang 1954, studierte Mathematik, Psychologie, Kommuni-
kationsforschung und Pädagogik an der Universität Bonn, wo er 1988 in Psycho-
logie promovierte. Die Habilitation in Erziehungswissenschaften folgte im Jahr
2000 an der Freien Universität Berlin. Eckhard Klieme ist seit 2001 Leiter der
Arbeitseinheit "Bildungsqualität und Evaluation" am DIPF und war von 2004 bis
2008 dessen Direktor.
Foto: DIPF/fotorismus Britta Hüning
Die Preisträger der zurückliegenden Jahre
Theorie zur Entstehung von Sternen und Schwarzen Löchern im Experiment bewiesen
Prof. Günther Rüdiger,
Astrophysikalisches Institut
Potsdam
Dr. Frank Stefani,
Forschungszentrum Dresden-
Rossendorf2006
Realisierung von Hochtemperatursupraleitern
Dr. Bernhard Holzapfel
Leibniz-Institut für Festkörper-
und Werkstoffforschung, Dresden
Prof. Ludwig Schultz
Leibniz-Institut für Festkörper-
und Werkstoffforschung, Dresden2004
Gesetzesfolgenabschätzung
Prof. Dr. Carl Böhret
Forschungsinstitut für öffentliche
Verwaltung bei der Deutschen
Hochschule für Verwaltungs-
wissenschaften, Speyer2003
Stammzellen als Therapiemöglichkeit für Diabetes
Prof. Dr. Anna Wobus
Leibniz-Institut für Pflanzen-
genetik und Kulturpflanzen-
forschung2002
Unerwartetes Nachwachsen von Gehirnzellen/Antidepressiva:
Wirkungsweise und neue Ansätze
Prof. Dr. Eberhard Fuchs
Deutsches Primatenzentrum,
Göttingen