Stifterverband-webTV:
Bildung und Begabung –
Treibhäuser der Gesellschaft (I)

HORIZONTE – Expertengespräche des Stifterverbandes:

Interview mit Eckhard Klieme,

Professor am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)


Ein Gespräch über das enorme Tempo der Reformen im Schulsystem bei einem gleichzeitigen Mangel an Systematik
und Evaluation, über eine zentrale Steuerung im föderalen System und die wichtigsten Probleme, vor denen die Schulen heutzutage stehen.

Interview: Corina Niebuhr


Eckhard Klieme zu Bildungsreformen und den Herausforderungen an das Schulsystem ...

  • Bildungspolitik wäre schlecht beraten, wenn sie genauso kurztaktig agieren würde, wie es beispielsweise ein Lehrer oder eine Schulleitung machen muss.
  • Das System der Schulinspektion, das G8-Gymnasium oder das Zentralabitur haben sich mit rasanter Geschwindigkeit in Deutschland verbreitet. Dazu braucht man keine Bundesregierung, die so etwas vorgibt. Das gucken sich die Länder untereinander ab.
  • Für mich als Bildungsforscher ist es schon fast erschreckend, mit welcher Geschwindigkeit sich solche Reformen automatisch durchsetzen, weil jeder mitmachen will, bevor jemand systematisch untersucht hat, was es denn für Konsequenzen hat. G8 ist zum Beispiel nie systematisch evaluiert worden.
  • Die zentrale Instanz muss Freiheiten schaffen, Ressourcen bereitstellen, kompetente Unterstützung gewährleisten,
    und sie muss ein Evaluationssystem schaffen, das Feedback ins System bringt. Nicht mehr. Und aufhören, immer neue Schulformen zu erfinden.
  • Die Probleme liegen stärker an den Rändern des Schulsystems: In der Frühförderung muss mehr getan werden.
    In diesem Bereich gibt es nach wie vor riesigen Nachholbedarf.
  • Relativ viel Zeit vergeht nach der Schule, ohne wirklich die Jugendlichen produktiv voranzubringen. An dieser Schwelle entsteht ganz viel an sozialen Unterschieden. Eine ganz wichtige Aufgabe von Schulen ist die Berufsvorbereitung.

Download des Videos (MOV, 97 MB)



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